Die doppelte Verteibung der Bewohner des Dorfes Protzan

Einleitung
Protzan während des Krieges
Die Russen sind da
Die erste Vertreibung durch die Polen
In der Gewalt der polnischen Miliz
Was im Dorfe geschehen war
In den Fägen der Polen in Neisse
Die Polen sind die neuen Herren in Protzan
Der Mord an Hans Schneider
Herbst und Winter
Die endgültige Vertreibung
Die Fahrt in den Westen
Die schwierige Aufnahme in Westdeutschland
Der Neuanfang nach der Vertreibung
Protzan oder Zwrocóna?

Die Protzaner und der Neuanfang nach der Vertreibung

In der neu entstandenen Bundesrepublik Deutschland wurde das sogenannte "Lastenausgleichs-Gesetz" erlassen und ein LAG-Amt eingerichtet. Da nur ganz wenige der Vertriebenen wegen der Inbesitznahme all ihres Eigentums durch die Polen und die Plünderungen ihre Dokumente oder Grundbuch-Auszüge retten konnten, war es schwer, die für die LAG-Anträge benötigten Nachweise zu erbringen. Ohne die Hilfe unseres Josef Bartel vom Standesamt Protzan wäre es vielen nicht möglich gewesen. Dem Ehepaar Bartel waren von den drei Söhnen zwei im Krieg gefallen, dann verloren sie auch noch Haus und Heimat. Jetzt half er seinen Protzanern wo es ging.
Es gab eine kleine "Hausratsentschädigung" und der spät gezahlte sogenannte "Lastenausgleich" bewegte sich nur in Höhe der Miet-und Pachtausfälle von etwa 10 Jahren. Von einer gerechten Entschädigung für den verlorenen Besitz, die verlorene Existenz, kann keine Rede sein. Von den 1,66 Millionen Arbeitslosen Ende Februar 1951 in Westdeutschland waren nicht weniger als 557.000 Heimatvertriebene! Dennoch faßten sie neuen Mut. Sie nahmen jede Arbeit an! Nur durch Energie, Tatkraft und ihren Fleiß nahmen die Vertriebenen am "Wirtschaftswunder" teil. Sie verließen vielfach aus beruflichen oder familiären Gründen den ihnen einst zwangszugewiesenen ersten Wohnsitz in Restdeutschland. Alle schufen sich aus eigener Tatkraft irgendwo eine neue Existenz, ein neues, schönes Zuhause, auch unter den schwierigen Verhältnissen in der DDR. Fast alle haben wieder Haus-und Grundbesitz. Sie und ihre Kinder wurden überall geachtete Mitbürger. Die Bewohner unserer Dorfgemeinde Protzan, wie alle anderen Schlesier durch die Vertreibung über ganz Rest-Deutschland verstreut, fanden ein neues Zuhause, aber eine "Neue Heimat"? Wohl kaum.

Der "Schlesier", ein hochbegabter deutscher Volksstamm, wurde zum Auslaufmodell.

Wenn man heute in der Erinnerung alles noch einmal nachvollzieht und liest so einfach und schnell, was damals erlitten wurde, wenn man sich dann deutlich macht wie lang z.B. 5 Wochen sind, welche die Protzaner Männer in der Gefangenschaft, in den Fängen der Polen aushalten mußten, 5 lange Wochen den Schlägen und Torturen ausgesetzt, länger als ein Monat, 5 lange Wochen Sorge um die Angehörigen, 5 lange Wochen Todesangst - eine Schreckenszeit, die zur Ewigkeit wird!

Lassen wir daher zum Schluß noch einmal Josef Rother zu Worte kommen:
"Ich kann nicht vergessen, was ich erlebt habe. Noch nach Jahrzehnten bin ich von Schreien, die ich im Traum zu hören meinte, aufgewacht. Trotzdem hege ich keinen Haß auf die Polen. Seit 1946, seit wir hier im Westen Deutschlands leben, denke ich beim Beten des "Vater unser", der Bitte um Vergebung der Schuld, an die Polen."
Diese Worte zeugen von der echt christlichen, noblen Gesinnung des Schlesiers.

Die meisten von uns werden sich dem anschließen, auch wenn die Gefühle für die Polen keine freundlichen oder gar freundschaftlichen sind, sondern eher über Abneigung oder Abscheu zu Distanz reichen und nach Wahrheit und Gerechtigkeit verlangen.

 

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