Hoffnung: "Willkommen in Schlesien!"

Im heutigen deutschen "Sprachgebrauch" sind die Länder der ehemaligen DDR, wie Thüringen, das grüne Herz Deutschlands, jetzt "Ostdeutschland"........ Ost-Deutschland, das trifft aber nur auf einen kleinen Teil der ehemaligen DDR zu, nämlich auf Schlesien!
"Schlesien ist wie ein Eichenblatt! Die Oder und ihre Nebenflüsse sind die Adern dieses schönen Blattes". So hörten wir es schon als Kinder in unserem Heimatdorf Protzan.
Durch die gewaltsame Zerteilung an der Lausitzer Neisse ist der größte Teil des Blattes im Besitz der Polen, aber der westlich der Neisse liegende Zipfel, der Stiel unseres Blattes, gehört zurBundesrepublik Deutschland!
Dieser uns verbliebene Teil Schlesiens hat fast die Größe des Bundeslandes Saarland!
Im heutigen bundesrepublikanischen Sprachgebrauch wird er nur "die Oberlausitz" genannt.
Eingeweihte nennen diesen Rest Schlesiens liebevoll "Zipfel von Schlesien"!
Doch leider wissen die meisten Deutschen nichts von der Existenz der vier niederschlesischen Kreise Görlitz, Hoyerswerda, Niesky und Weißwasser im Freistaat Sachsen. Dank der Verantwortlichen in Bonn/Berlin und Dresden ist auch dieser Rest von Schlesien fast dem Vergessen anheimgegeben.
Unsere schlesischen Landsleute, die in jenen vier Kreisen im "Freistaat Sachsen" leben und wir vertriebene Schlesier können nur neidvoll nach Mecklenburg-Vorpommern schauen.
Dort wurde sogleich nach der Wiedererrichtung eigenständiger Länder auf dem Gebiet der ehemaligen "DDR" der pommersche Landesteil wie selbstverständlich eingebunden in den neuen Landesnamen "Mecklenburg-Vorpommern". Und auch in Pommern war, wie in Niederschlesien, die Trennung in einen polnischen und einen deutschen Teil erfolgt.
Mit Rest-Schlesien ging man anders um. Der westlichste Teil des Kreises Hoyerswerda um die Stadt Ruhland herum wurde in den 50er Jahren an den Kreis Senftenberg in Brandenburg angegliedert. Daher ist Rest-Schlesien sogar in der BRD nochmals geteilt! Aber auch am Ortseingang zu Ruhland haben unsere dortigen schlesischen Landsleute, wie die im Freistaat Sachsen, ein Schild aufgestellt "Willkommen in Ruhland Niederschlesien".
Solche Schilder "Willkommen in Niederschlesien" und die im Wind flatternde weiß-gelbe Fahne Schlesiens mit dem uns allen bekannten schlesischen Adler begrüßen den Anreisenden allerorten, wenn man sich unserem schlesischen Görlitz nähert. Diese wunderschöne, leider auch zweigeteilte Stadt Görlitz, wurde zur heimlichen"Hauptstadt Rest-Niederschlesiens". Es gibt eine Vielzahl von Vereinen und Verbänden, die in ihrem Namen "Niederschlesien" führen, wie die "Niederschlesische Sparkasse".
Seit 1990 besteht die "Unabhängige Initiativgruppe Niederschlesien e.V.". Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit anderen schlesischen Institutionen, wie dem Kuratorium Schlesische Lausitz und der Schlesischen Jugend in Görlitz, das im niederschlesischen Teil des Freistaates Sachsen gemäß der jetzt gültigen Landesverfassung verbriefte Recht auf "Führung der schlesischen Wappen und Fahnen" sowie auf die Geschichte und Traditionen Schlesiens nicht nur zu bewahren, sondern auch weiterzuführen. Dazu gehören unter anderem die Behandlung der schlesischen Vergangenheit in den Schulbüchern und die Pflege des schlesischen Dialektes. Der Dialekt, der fast überall noch gegenwärtig ist, gleicht dem Gebirgs-Schlesisch sehr viel mehr als etwa dem Sächsischen.
Unsere Landsleute zwischen Hoyerswerda, Bad Muskau, Wittichenau und Görlitz sind und bleiben Schlesier, trotz aller Versuche, sie als Sachsen oder Brandenburger zu deklarieren. Wir vertriebene Schlesier finden bei ihnen noch Heimat!
Es besteht die Hoffnung, daß wir, unsere Kinder und Enkel eines Tages ungehindert über die Oder und die Lausitzer Neisse heimfahren können, wenn eines Tages nach der "Osterweiterung der Europa-Union" auf den Brücken keine Grenzposten mehr stehen werden.

Von der "Landeskrone", dem Görlitzer Hausberg, der ähnlich wie bei uns der Zobten, die umliegende Landschaft beherrscht, schaut man weit ins schlesische Land. Bei klarem Wetter kann man das Riesengebirge sehen und die Gedanken folgen dem Gebirgszug der Sudeten automatisch weiter nach Süd-Osten zum Eulengebirge in dessen Vorland so idyllisch unser Heimatdorf Protzan liegt.
Aus dem uns verbliebenen "Zipfel von Schlesien", vom Görlitzer Hausberg der "Landeskrone" können wir dich grüßen unsere Heimat Schlesien, das deutsche Eichenblatt, der Länder Krone!


© 2000 Doris Minale