Die doppelte Verteibung der Bewohner des Dorfes Protzan

Einleitung
Protzan während des Krieges
Die Russen sind da
Die erste Vertreibung durch die Polen
In der Gewalt der polnischen Miliz
Was im Dorfe geschehen war
In den Fägen der Polen in Neisse
Die Polen sind die neuen Herren in Protzan
Der Mord an Hans Schneider
Herbst und Winter
Die endgültige Vertreibung
Die Fahrt in den Westen
Die schwierige Aufnahme in Westdeutschland
Der Neuanfang nach der Vertreibung
Protzan oder Zwrocóna?

Was im Dorf geschehen war

Am Dienstag dem 17.7.45 herrschte gedrückte Ruhe im Dorf. Doch am Mittwoch 18.7.45 waren überall, auch in Frankenstein, von den Polen rote Plakate angeschlagen worden. Sie enthielten die lügenhafte Behauptung, daß die Einwohner von Protzan den Anordnungen der polnischen Regierung "bewaffneten" Widerstand entgegengesetzt hätten, wodurch zwei der Schuldigen verwundet wurden und der Lehrer Gustav Winkler dabei ums Leben kam. Die anderen Schuldigen seien abgeführt worden. Zugleich enthielten die Plakate die drohende Mitteilung, daß die Bewohner des Dorfes Protzan wegen dieses Widerstandes gegen die Polen ausgewiesen würden! Trotz des drohenden Unheils, man ging seiner Arbeit nach, die Bauern des Dorfes mähten ihren Roggen, fuhren Dünger.
Um 11 Uhr mußten die Männer von Protzan (aus männerlosen Haushalten auch Frauen) in das Gasthaus Mann zu einer Versammlung kommen, welche von den Polen einberufen worden war. Mit dem Feuerhorn wurden sie zusammengerufen. In das Gasthaus Mann wurden sie von den Polen hineingelassen aber nicht mehr hinaus. Dann gab es dort einen furchtbaren Tumult. Schießen, Schreien, Lärm erfüllte den Saal als es hieß, daß um 18 Uhr abends die ganze deutsche Bevölkerung des Dorfes mit 30 kg Handgepäck am Gasthof Mann auf der Dorfstraße antreten müsse. Gebrochen verließen die deutschen "Versammlungsteilnehmer" das Gasthaus als nach Beendigung dieser polnischen Machtdemonstration die Türen wieder aufgeschlossen wurden. Es war für keinen zu fassen, es stand also fest, die Polen hatten bestimmt und beschlossen: Protzan "schisco" (alle) raus!
Abends um 18 Uhr mußten alle Protzaner ihre Häuser verlassen. Kein Haus, keine Wohnung, nichts durfte verschlossen werden. Mit ihrem Gepäck mußten sie draußen auf der Dorfstraße antreten. In der kurzen, verbliebenen Zeit hatten sie Handwagen vollgepackt, Brot, Schinken und Speck dazu gegeben. Viele Wertsachen waren schon wegen der plündernden Russen auf den Höfen z.B. in Heu und Stroh versteckt worden. Unter Bewachung der schwer bewaffneten, polnischen Miliz, rechts und links begleitet, mußten Frauen, Kinder, Alte und die wenigen, meist älteren Männer in langem Zug, ca.700 Menschen, ihr geliebtes Dorf zu Fuß verlassen, ins Ungewisse, in Richtung Frankenstein. Dort wurden alle in die Düngerfabrik getrieben und zur Nacht eingesperrt. Man schlief auf dem blanken Fußboden. Morgens zeitig um 5 Uhr wurden alle weiter getrieben.

Wohin? Den Polen hilflos ausgeliefert ins Ungewisse......

Unter Anteilnahme der Frankensteiner deutschen Bevölkerung bewegte sich die von der polnischen Miliz bewachte Menschenschlange der Protzaner langsam durch die Straßen der Stadt. Die Polen demonstrierten ihre Macht und zeigten allen Deutschen: "Seht, so geht es auch euch, wenn ihr euch gegen uns auflehnt oder den geringsten Widerstand zeigt!"
Aus Frankenstein hinaus ging der traurige Zug weiter durch Zadel in Richtung Kamenz. Endlich bei Kunzendorf ließ die polnische Miliz Großmutter Schneider mit Fräulein Kliche, der Schwester des Pfarrers, zurückbleiben. Es wurde ein heißer Tag. Mühsam schleppten sich die durstigen, hungrigen Menschen die Landstraße entlang, immer von den Polen angetrieben. Die Handwagen, das Gepäck waren schwer, die Füße wurden wund, der Durst unerträglich in der Mittagshitze des heißen Sommertages.
Die Polen trieben unbarmherzig weiter, weiter! Über den Baumwipfeln des Parks in Kamenz erschienen die Türmchen des Hohenzollern-Schlosses. Gegen 15 Uhr befand sich der traurige Zug bei Reichenau. In der glühenden Hitze des schlesischen Hochsommers ging es weiter, Rast gab es nur in sengender Sonne! So gab es zu den Blasen an den Füßen auch noch Blasen durch Sonnenbrand. Bis zum Abend lagen noch viele Kilometer vor ihnen; das Ziel des schrecklichen Marsches kannten sie nicht. In Frankenstein brannte in der folgenden Nacht die Düngerfabrik nieder, Brandstiftung. Man war wohl eine Nacht zu spät, der Brand hatte den Deutschen aus Protzan gegolten.

 

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