Das erste mal, ... es tut so weh!

Mein erster Besuch in Protzan/Niederschlesien


Vom 23. bis 30. August 2004 hatte ich meine erste Reise über meine Eltern u.a. nach Protzan gebucht. Natürlich war ich Wochen vorher äußerst gespannt auf diese Reise, obgleich schon ein leichtes Unbehagen in der Luft lag. Gedachte man an all der Erzählungen, der Bilder aus der Heimat der Eltern und Großeltern. Die vielen Schicksalsbeschreibungen aus zahlreichen Büchern und Unterlagen in meiner Sammlung lebten wieder auf.

 

Ich glaube es war eher Neugier oder Entdeckertum als wie Freude, was mich im Vorfeld der Reise begleitete. Wohl wäre ich nie auf die Idee gekommen, „Polen“ zu besichtigen, doch Schlesien, das war ganz was anderes. Frankenstein, Protzan das waren Namen, die sich zunehmend, schon viele Jahre, in Kopf und Herz geprägt hatten, ohne jemals leibhaftig etwas davon zu sehen zu bekommen. So trat ich diese Busreise an  mit gemischten Gefühlen und meinte eine „Weltreise“ vor mir zu haben.

 

Und der Abreisetag kam, und schon das Besteigen des Busses in Wunstorf/Hannover gab die erste Überraschung preis. Eher der Annahme, hier eine gedämpfte Mitfahrgemein-schaft anzutreffen, sollte sich schlagartig als Irrtum erweisen.    Man war freudig, Kontaktreich und herzlich willkommen! Das Wort „Fremd“ blieb vor der Bustür!

 

So begann die Fahrt, und nach einem etwas unliebsamen Aufenthalt durch eine Panne, ging es weiter, Dresden blieb hinter uns und die Sonne neigte sich langsam zum Abendgebet.     Ich schaute aus dem Fenster, die schöne Landschaft flog schnell vorbei.   

Plötzlich, traute meinen Augen nicht, das Schild an der Autobahn, nur für eine Sekunde zu sehen, vorbei!  NIEDERSCHLESIEN!

Ich war doch „baff“, vielleicht erschrocken, auf jeden Fall aufgeregt, es gab es wirklich, „Niederschlesien“. All die Jahre  nur in Geschichtsbüchern oder auf Karten zu lesen, hier war es schon, ... so nah!

 

Wir fuhren über die Grenze und es wurde rasch dunkel. Die Fahrt ging weiter und bald suchten die Augen eher vergebens Eindrücke aus dem vorbeiziehenden Land zu entdecken. Nach dem Abendessen oder besser “Mitternachtsdinner“ im Hotel im Eulengebirge gingen wir „schlofa“.

 

Der nächste Morgen kam, und kaum das ich wach war, der erste Gang zum Fenster: Da waren sie , die Berge rundum, noch teilweise in Wolkenfetzen verhüllt, und die Sonne begann das Land zu segnen. Eine gewaltige Ahnung über die Schönheit dieses Landes erklomm das Herz. Selbst einige verwahrloste Gemäuer konnten diesem Eindruck keinen Abbruch tun, das sollte auch weiterhin so bleiben.

 

Die Fahrt nach Protzan begann ..., Doris Minale erklärte vieles zur Geschichte der vorbeiziehenden Orte, des Landes, was sehr hilfreich war (Danke!).

Aber zunächst hatte ich mit den vielen Eindrücken des ständig wechselnden Landes, der Orte zu „kämpfen“, leider hatte der Bus nicht „genügend Fenster“, um alles gleichermaßen anzusehen!

 

Dann kam er vorbei, der „magische Berg“, von dem ich schon so viel gelesen hatte, der Zobten! Viele Ereignisse und Geschichten um diesen Berg beschäftigten mich in  diesem Augenblick und wenig später unterbrach ein Wort aus den reihen der Mitreisenden meine Gedankenwelt: „PROTZAN!“

 

„... da Protzan links!“

Da war es dann auch, das Dorf „unser Dorf“,  Hügel, große Bäume, der Kirchturm, ...

und dann, ... das weiße Haus, das Vaterhaus, nie in Natura gesehen, doch ich wußte, das mußte es sein! In diesem Moment war meine Gefühlswelt gänzlich zusammengebrochen, Bilder, Oma, Opa, Eltern, die ganze Vergangenheit zerrte mich aus dem Sitz und nagelte mich gleichzeitig fest.

Die gewaltige Geschichte der Vergangenheit und die eigene Hilflosigkeit übermannten mich zu einem häuflein Elend. Es dauerte lange, bis ich wieder auf den Boden zurückfand. Dieser erste Eindruck hat ein Relief in mein Herz gefräst!

 

Beeindruckend, erfurchtsvoll, aber auch ernüchternd war dann der erste Kontakt, die Besichtigung der Kirche und meine erste Ortsbesichtigung. Erschreckend viele

Gehöfte und Häuser, leere Fenster, zerfallene Türen, man kann es spüren: stumm schreien diese Häuser in den Ort, wo ist das Leben, wo spielende Kinder, alles fort!

 

Hier alle Eindrücke zu beschreiben würde für diesen Bericht sicher den Rahmen sprengen. Die viel besagte Kirche und das Elternhaus waren zunächst das prägnanteste

für mich. Mitgenommen habe ich die Erinnerungen, Fotos, und einen Stein aus „Vaters Garten!“

 

An dieser Stelle:

Herzlichen Dank an alle, die diese Reise so gut durchdacht, erklärt und an alle Mitreisenden Protzaner, die diese Reise für mich zu einem unvergesslichen Erlebnis

gemacht haben.

Ich freue mich schon auf die nächste Reise, ich komme wieder, und meine Familie wird dann sicher auch dabei sein!

 

Herzlichst

Andreas Alber